0


Rebsortenspezifische Weingläser von Riedel - WHAT?

Jan Beckhoff

Bietet man mir ein Bier oder einen Wein an, entscheide ich mich in jedem Fall für das Bier. Es schmeckt mir einfach besser. Entsprechend war ich etwas skeptisch, als wir im Oktober letzten Jahres die Firma Riedel und ihre rebsortenspezifischen Weingläser in unser Sortiment aufgenommen haben. Braucht man wirklich unterschiedliche Gläser je Rebsorte? Reicht nicht einfach ein Rotwein und ein Weißweinglas? Meine Annahme war, dass Weinliebhaber mit diesen Gläsern die letzten paar Prozent aus einem guten Wein herausholen wollen. Während des Tastings wurde ich schon beim ersten Wein eines Besseren belehrt.

Riedel Wein Tasting in unserem Occhio Store

Kurz nachdem wir die erste Ware im letzten Oktober erhalten haben, hatten wir Besuch von der Firma Riedel bei uns im Haus. In einem Tasting sollte unserem Team nach Geschäftsschluss die Vorzüge von Riedel Gläsern nicht nur erläutert, sondern auch gezeigt werden. Ich hatte mich für die Veranstaltung nicht angemeldet (Wein ist ja nichts für mich…), aber als ich abends die wunderbar gedeckte Tafel in unserem Occhio Store gesehen habe, wurde ich doch neugierig und habe gerne den letzten freien Platz in Anspruch genommen.

Odoo • A picture with a caption

Seit 11 Generation in Familienhand

Bei leckeren Snacks haben wir zunächst etwas über die Firma Riedel und Ihre Philosophie erfahren. Das im österreichischen Kufstein ansässige Unternehmen ist auch in der elften Generation immer noch in der Hand der Familie Riedel. Bereits in den 80er Jahren hat sich die Glasmanufaktur auf die Herstellung des perfekten Weinglases fokussiert. In Zusammenarbeit mit Weinherstellern und Sommeliers wurden u.a. die jeweils ideale Form, Durchmesser der Öffnung und Neigung des Rands für die jeweilige DNA des einzelnen Weins entworfen.

Vergleichbar mit einem Orchester ist auch ein Wein eine Komposition aus unterschiedlichen Aromen und Geschmäcken. Damit diese auch richtig zur Geltung kommen, bedarf es des passenden Glases. So wird durch die Glasform nicht nur der Geruch beeinflusst, der schließlich knapp 70% des Geschmacks ausmacht, sondern auch wie weit der Kopf für das Trinken geneigt werden muss und wie der Wein zuerst über die Glaskante, und dann über die Geschmacksnerven gesteuert wird. Klingt logisch in der Theorie, aber was sagt die Praxis?

Riedel

Ich kann an dieser Stelle bereits vorwegnehmen, dass die Praxis nicht enttäuscht hat. Wir haben vier Weine an Hand des Veritas Tasting Sets verkostet: Zwei Rot- und zwei Weißweine in vier verschiedenen Gläsern. Um den Unterschied zwischen Gläsern zu schmecken, haben wir den gleichen Wein aus dem von Riedel abgestimmten sowie aus einem „falschen“ Glas gerochen und getrunken. Bezugnehmend auf meine "letzten Paar Prozent"-Annahme aus der Einleitung konnte ich wohl nicht weiter danebenliegen: Der gleiche Wein präsentierte sich auf völlig unterschiedliche Weise in Bezug auf Geruch und Geschmack in Abhängigkeit vom Glas. Statt etwas übersäuert aus dem „klassischen“ Weißweinglas, schmeckt der Wein ausgewogen und harmonisch aus dem vollbauchigen Glas. Plötzlich spielt der Wein im Takt und ich erwische mich dabei wie ich mir das Glas gerne nochmal füllen lasse.

Dieses Spiel wiederholt sich auch für die Weine zwei, drei und vier. Jeweils im abgestimmten Glas entwickelt sich ein ganz anderer und viel feinerer Geschmack und Geruch. Der Unterschied ist für alle Teilnehmer klar erkennbar. Während wir also noch ein wenig über Wein hören und nebenbei jeder noch seinen Favoriten genießt, bedauere ich schon fast, dem Wein nicht schon früher eine Chance gegeben zu haben.

Riedel Tasting

Sie haben Interesse an einem Tasting-Event teilzunehmen? Dann lassen Sie uns Ihre E-Mail Adresse hier. Wir nutzen diese ausschließlich, um Sie über ein anstehendes Event zu informieren. Versprochen!

AnmeldenDankeschön
Danke für Ihre Anmeldung

Fazit: "Kann man trinken" oder "Wow"

Für mich persönlich war dieser Abend eine echte Überraschung und auf den Punkt gebracht lässt sich wohl festhalten: Abhängig vom Glas verleihe ich dem gleichen Wein entweder ganz ostwestfälisch das Prädikat „kann man trinken“ oder einfach nur „Wow“. Vermutlich haben wir an dem Abend besonders gut geeignete Weine verkostet, aber der starke Unterschied zwischen den Gläsern hat bei mir den Eindruck gefestigt, das es sich bei der klassischen Weißwein-Rotwein-Glasregel eher um eine grobe Annäherung handelt. Wer also wirklich Freude an einem guten Wein hat, dem seien die rebsortenspezifischen Weingläser der Firma Riedel wärmstens ans Herz gelegt.